Caminata

von Holger Dussberg

Weniger repräsentativ im Äußeren als der Palas, dafür aber nahezu komfortabel im Inneren war die Caminata. So wird ein Wohnraum mit einer Feuerstätte, die entweder ein Heizkorb, offener Kamin oder Kachelofen war, bezeichnet. Auf großen Burgen ist im allgemeinen auch ein separater, beheizbarer Wohnbau nachzuweisen, in dem sich dann das eigentliche „Familienleben" abspielte. Bei der archäologischen Untersuchung 1957 wurde auf der Burg Lichtenberg nordwestlich des Bergfriedes ein 10 m x 10 m großes freistehendes Kellergeschoß mit einer Mauerstärke von ca. 1,50 m freigelegt. Aufgrund der in der südöstlichen Ecke vorgefundenen Heizungsanlage wird dieser Gebäuderest als Caminata gedeutet.
Nach den Ausgrabungsergebnissen lassen sich auf der Oberburg bisher ein Backofen im südlichen Caminatabereich, eine Küche und zwei Vorratsräume nachweisen.

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Bilder

Beschreibung

Rekonstruktion einer Warmluftheizung
(Schloß Gottorf, Schleswig)

Blick auf die Heizungsanlage
oben: Sandsteinplatte,
darunter: gemauerte Backsteinöffnung zur Brennkammer

Warmluftheizung: Dokumentation der eingefallenen Heizung

Warmluftheizung
Beginnender Zerfall der Heizung.
(Foto W. Wewetzer, Salzgitter 1958).

Warmluftheizung: Dokumentation der eingefallenen Heizung (1996)

Warmluftheizung: Dokumentation der eingefallenen Heizung

Grabungsbefund 1996: Dokumentation der Warmluftheizung mit Aufheizgestein über den Backsteinbögen. Um zu erfahren, wann diese Heizung letztmalig befeuert wurde, wurden zwei naturwissenschaftliche Verfahren, die C14 Analyse und die paläomagnetische Untersuchung, von Frau Dr. Elisabeth Schnepp durchgeführt. Beide Ergebnisse deckten waren nahezu deckungsgleich.

Zusammen mit der archäologischen Datierung (sichtbares verbackenes Keramikfragment auf dem Boden der Heizung) wurde eine Jahreszahl von um 1425 ermittelt. Auf den Backsteinen sind deutlich die Bohrlöcher der Probenentnahme für die paläomagnetische Untersuchung zu sehen. 

Blick in die Brennkammer: ca. 40 cm mächtige, feine Ascheschicht

Grabungszustand 1957: links unten die fälscherweise als Backofen angesprochene zweite Heizungsanlage

Blick in die zweite Heizungsanlage: auf Grund einer paläomagnetischen Untersuchung und C14 Analyse (Frau Dr. Elisabeth Schnepp) wurde diese Heizung ebenfalls ca. 1425 letztmalig befeuert. Beide Anlagen sind demnach faßt zeitgleich aufgegeben worden.

Blick in die Brennkammer der zweiten Heizungsanlage. Südwestliche Innenmauer

siehe oben

Heutige Ansicht des Caminatabereiches mit ergänzter Heizungsabdeckung. Restliche rezent überformte Mauern geben nicht den mittelalterlichen Zustand wieder.