Was uns die Burgen heute noch bedeuten können

von Horst Nickolai

Nicht nur für den Romantiker, der sich am Bild von harmonisch in die Landschaft eingefügte Burgen und Schlösser erfreut, haben sie eine besondere Bedeutung.

Sie sind heute noch voller Symbolik, die wir zum Teil gar nicht mehr direkt verstehen und die dennoch ihre Aktualität nicht verloren hat.

Burgen können dem Wissenschaftler, Historiker, Archäologen, auch dem wissenschaftlich interessierten Laien, nicht zuletzt unseren Politikern, sowie Führungskräften in öffentlicher Verwaltung und in Wirtschaftsunternehmen vielerlei Hinweise und Anregungen geben. Burgen und Schlösser und das damit unmittelbar verbundene Rittertum neben den Klöstern, Domen und Kirchen mit ihren Bischöfen, Äbten und Mönchen sind eng verbunden mit der europäischen, mit unserer Kultur.

So sagt ARNO BORST, Verfasser von »Rittertum, Idee und Wirklichkeit«:
»Herrschaft wird nur durch Dienst veredelt. Elite der Gesellschaft und vor allem das Chaos der Realitäten und der Fanatismus der Macht sind nur durch geistige Zucht zu bändigen«.

Die Ritterschaft als Institution ist untergegangen, aber ihre Funktion im Staatswesen, ihr Dienst in allen Bereichen der öffentlichen Ordnung sollten wir nicht vergessen. Geblieben ist neben dem Gaudium am Rittersmann auch ein Abglanz ritterlicher Ideale, die dazu beitragen, das Leben in der Gesellschaft würdiger und erträglicher zu machen. Und das gerade in einer Zeit, in der ein Verfall allgemeinverbindlicher Werte beklagt wird. Unter anderem ist richtig verstandene Ritterlichkeit eine angemessene Antwort auf falsch verstandene emanzipatorische Verkrampfungen.

Und was könnten Politiker und Spitzenmanager alles vom Rittertum lernen, wenn sie denn wollten und könnten. Auch daß es früher Raubritter gab, ist nicht vergessen. Wir sollten die heutigen ab und an darauf aufmerksam machen !

Wer glaubt, die menschliche Historie sei ohne Bedeutung für das heutige »moderne« Leben, dem sei mit Hans Magnus Enzensberger entgegengehalten:
»Wer sich dem Trend ausliefert, dem, was angesagt ist, der ist ein armer Hund. Etwas bornierteres als den Zeitgeist gibt es nicht. Wer nur die Gegenwart kennt, muß verblöden.«