Auf einem nach Norden absinkenden Landrücken liegt 165 m üNN über der Radau diese Burg, die noch soweit erhalten ist, daß man einen Eindruck des mittelalterlichen Baues gewinnen kann.
Die Zeit der Entstehung ist unbekannt. Es besteht die Vermutung, daß hier eine Wehranlage bereits in vorgeschichtlicher Zeit gelegen hat.
Als die benachbarte
Harliburg, eine damals sehr gut ausgebaute Anlage des Braunschweiger Herzogs, Königs und Kaisers Otto IV., im Besitz des Herzogs Heinrich von Braunschweig Grubenhagen 1291 zerstört worden war, hatte man die Steine benutzt, um beiderseits der Oker je eine Grenzfeste zu errichten. Einmal sollte der Wiederaufbau der sehr gefährlichen
Harliburg oder ein Neubau seitens der Welfen an dieser Stelle oder in der Nähe der alten Harliburg verhindert werden. Andererseits wollte der Bischof von Hildesheim hier bewehrte Festpunkte zur Sicherung seines Gebietes erstellen. Es wird vermutet, daß damals Graf Burchard VII. von Wernigerode diesen Bau auf Wunsch oder mit Zustimmung seines Vetters, des Bischofs Siegfried von Hildesheim, geleitet hat.
Aus dem Jahre 1306 liegt die erste erhaltene urkundliche Nennung der „Vineburch" vor. Zu Anfang des 14. Jahrhunderts werden die Grafen von Wernigerode die Vienenburg besessen haben. So wird berichtet, daß 1323 König Ludwig, der Bayer, den Zoll an der Radau bei Vienenburg unter Maßgabe des Wiederverkaufsrechtes an die Grafen von Wernigerode veräußert habe.
In dieser Zeit der Pfandgebietspolitik werden verschiedene Pfandinhaber genannt: 1341 die Stadt Goslar, dann der Ritter Bodo von Salder, 1367 der Bischof von Hildesheim, 1393 die Edlen von Dorstadt, im 15. Jahrhundert die von Rössing, von Langeln, von Schwicheldt, von Cramm und von Hoym.
Ferner muß beachtet werden, daß die Stelle, auf der die Vienenburg erstellt wurde, Lehnsgut der Grafen von
Wohldenberg war, die ja ihren Sitz zuvor in Wöltingerode hatten. Es bestand die testamentarische Verpflichtung, daß nach dem Aussterben der Familie von
Wohldenberg der Besitz an den Hildesheimer Bischof fallen solle. 1383 starb dieses Geschlecht mit Graf Gerhard aus und Hildesheim trat seine Erbschaft an. So war es der Bischof auch, der, wie erwähnt, die Verpfändung an die von Dorstadt vornahm.
Die Vienenburg gehörte 1519 bei Ausbruch der Hildesheimer Stiftsfehde Friedrich von Weferlingen, 1521 drang Herzog Heinrich der Jüngere ohne Gegenwehr in die Burg ein, 1523 mußte der Bischof Johann IV. von Hildesheim diese Burg mit dem dazu gehörigen Amt - Vorwerk Wennerode und die Dörfer Vienenburg und Lochtum - an Braunschweig abgeben.
Während des 30jährigen Krieges mußte diese Wehranlage ebenfalls vielem widerstehen. Am 4. Januar 1626 besetzten kaiserliche Truppen unter Graf Schlick die Burg, am 9. Januar 1626 weilte Wallenstein hier und leitete eine Operation gegen Wiedelah und Schladen. 1643 fiel Burg und Amt Vienenburg wieder an das Fürstbistum Hildesheim zurück, 1802 wurde sie preußische Domäne.
Am Pforthaus zeigt ein Wappenstein das Fürstbischöfliche Wappen mit der Jahreszahl 1725
Nach Hans Adolf Schultz: “Burgen und Schlösser im Braunschweiger Land”