„Levenborch" und Schloß Liebenburg
Nach der welfischen Teilung 1286 zwischen Heinrich dem Wunderlichen, Albrecht dem Fetten von Göttingen und Wilhelm von Wolfenbüttel kam es wiederholt zu Streit. Heinrich fiel von der Harliburg aus in die Gebiete seiner Brüder ein und ließ Raubzüge in die hildesheimischen und halberstädtischen Gebiete, aber auch nach Goslar unternehmen. Darauf taten sich die Bischöfe, Fürsten, Grafen, Städte zusammen und erstürmten 1291 die Harliburg. Sie wurde erobert und dem Erdboden gleichgemacht. Sie ist nur 88 Jahre alt geworden.
Diesen Zeitpunkt benutzte der Bischof von Hildesheim, eine eigene Burg gegen weitere Übergriffe in diesem Gebiet anzulegen. Die geeignete Stelle fand er am Osthang des Salzgitterer Höhenzuges, hier wurde die die Liebenburg.gebaut.
Der Herzog versuchte seinerseits, den Bau zu verhindern, was ihm aber letztendlich nicht gelang.
1366 kam sie in den Pfandbesitz der Stadt Braunschweig, die sie als Stützpunkt auf dem Wege nach Goslar benutzte. 14 Jahre später befindet sie sich im Pfandbesitz gegen Zehntzinsen bei Hans von Schwicheldt, Ludolf von Sellenstedt, Rabodo Wale und Rabodo Wierthe. Das Jahr 1393 brachte eine Fehde zwischen dem Hildesheimer Bischof bzw. dessen Pfandbesitzer auf der Liebenburg und dem Herzog Friedrich II. Hans von Schwicheldt wurde bei Beinum geschlagen und gefangengenommen. Er kam gegen ein Lösegeld von 8000 Mark Silber frei und kehrte nach der Liebenburg zurück. 1448 war Curd von Schwicheldt gemeinschaftlich mit den Brüdern Heinrich und Bodo von Cramm im Pfandbesitz der Burg.
Am Abschluß der Stiftsfehde, in der die Liebenburg nicht in Mitleidenschaft gezogen wurde, kam sie 1523 an Herzog Heinrich den Jüngeren. In der sorgsamen Obhut des streng verschwiegenen Amtmannes Koch wohnte hier von 1541/1542 Eva von Trott, die Geliebte des Herzogs. Ihrem neunten Kinde, der Katharina, schenkte sie in dieser Burg das Leben. In vielen Legenden und Sagen tritt sie noch heute als die „weiße Frau" auf, die im Burggarten und Burghof erscheint.
1542 zieht das Heer des Schmalkaldischen Bundes auf der Liebenburg ein und besetzt diese. 1547 wird sie an den Herzog zurückgegeben. 1552 eroberten die Truppen des Grafen Vollradt von Mansfeld, der vom Gegner des Herzogs (Markgraf Albrecht von Brandenburg-Culmbach) gerufen war, die Burg und besetzten sie für kurze Zeit.
Während des 30jährigen Krieges war sie u. a. Hauptquartier Wallensteins. Hier empfing er Bürger der Stadt Goslar, die dem Feldherrn die Treue der Reichsstadt versicherten. 1633 drang ein schwedisches Dragoner-Regiment in das Innere der Burg ein und hinterließ einen Trümmerhaufen. Eine vorherige kaiserliche Besatzung war still in der Nacht verschwunden; man vermutete, durch den unterirdischen Gang.
Aber 1641 erscheint diese erneut vor der Burg und nimmt sie ein. Die Besatzung mit einem Grafen von Hohenlohe wurde gefangengenommen. Zwei Jahre später bei Abschluß des Friedensvertrages kam die Liebenburg mit dem „Großen Stift" zurück in das Eigentum ihrer Erbauer, der Bischöfe von Hildesheim.
Die Liebenburg war zunehmend durch die vielen kriegerischen Ereignisse zerstört. 1750-1754 ließ Fürstbischof Clemens August, ein bayrischer Prinz, die Liebenburg mitsamt der erst 1643 erbauten Kirche abtragen. Ab 1754 baute er das Barockschloß auf der gleichen Stelle auf, das heute noch steht.
Nach Hans Adolf Schultz: “Burgen und Schlösser im Braunschweiger Land”