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Nördlich des Harzes - gewissermaßen als Querriegel - zieht sich ein landschaftlich schöner, geschichtlich sehr bedeutsamer Höhenzug, der Harlingeberg, entlang (5,5 km lang, 1,5 km breit), der im Westen vom Wedde- und im Osten vom Okertal begrenzt wird. Die höchste Erhebung in ihm mißt 256 m üNN.
Die Harliburg ist auf dem Ostteil des Berges über einer Schleife der Oker und am Einfluß der Ecker errichtet. Von den Aufbauten findet sich nichts mehr. Doch geben deutlich erhaltene Wälle und Gräben noch ein anschauliches Bild von der 1203/04 erbauten Reichsfeste Kaiser Otto IV. Vermutlich war sie nicht die erste Anlage an dieser strategisch wichtigen Stelle. Eine ältere Ringwallanlage scheint hier schon bestanden zu haben. Ihre Aufgabe war, die Zufahrtsverbindungen nach Goslar, das zu den Hohenstaufen, so Philipp von Schwaben, hielt, zu stören. Andererseits aber auch, um das eigene Kerngebiet im Norden nach Süden abzusichern.
Da Ausgrabungen bisher leider noch nicht stattgefunden haben, kann man nur nach den erhaltenen Wällen und Gräben das Bild der Anlage wieder herstellen. Die Form des Burgplatzes, länglich oval, war den örtlichen Gegebenheiten angepaßt mit einem steilen Abfall nach Süden und Südosten zur Oker. Zentral lag die Kernburg (50 x 150 m). An der Nordseite war ein tiefer, in den Rogenstein eingeschlagener Graben zum Schutze gebaut. Jenseits hiervon lag ein geräumiger Vorplatz mit einer Breite von etwa 50 m. Kernburg und Vorplatz werden nochmals von einem Ringgraben mit einem hohen Vorwall umgeben und damit geschützt. Diese Anlage, die etwa 170 x 300 m mißt, muß als Grundfläche der Hauptburg angesehen werden. Ein weiterer Teil ist zusätzlich durch einen deutlich erkennbaren Hauptwall mit einem außen davor liegenden Graben abgesichert. Die Grundfläche dieses Baues erhöht sich damit auf 200 x 400 m.
Wie eingangs erwähnt, stand diese Burg unmittelbar im Thronstreit der Welfen und der Staufer. Otto IV. ließ sie im Herbst und Winter 1203/04 erbauen. Dies geschah vermutlich sehr selbstbewußt ohne Rücksicht auf die Eigentümer der Wälder, so des Klosters Wöltingerode. In der Eile der Erstehung drückt sich die energische Absicht des Erbauers aus, die Handelswege der staufer-freundlichen Stadt Goslar abzuschneiden und andererseits auch die Stadt selbst hart zu bedrängen. Der Staufer Philipp von Schwaben kam daraufhin 1204 Goslar zu Hilfe und konnte sie entsetzen. Die Harliburg, der große Gefahrenpunkt, verblieb jedoch bei Otto IV. Sein Truchseß Gunzelin von Wolfenbüttel führte 1206 den nächsten Schlag gegen Goslar, belagerte es und ließ es plündern. Um Ruhe in diesen Streit zu bekommen, machte Philipp von Schwaben verschiedene Angebote. Otto nahm sie aber nicht an. Eine Lösung ergab erst 1208: die Ermordung Philipps von Schwaben. Otto IV. wurde nun König und Kaiser und die von ihm gebaute und besonders geliebte Harliburg bekam den Rang einer Reichsfeste. In ihr verbrachte er die Mehrzahl seiner letzten Lebensjahre, bis daß er 1218 auf der Harzburg starb. In seinem Testament bestimmte er, daß die Wald- und Grundbesitzer, ohne deren Einverständnis er die Burg erbaut hatte, nun abgefunden werden sollten. Derjenige, der die Entschädigung zahlte, sollte Besitzer der Harliburg sein. Graf Heinrich bei Rhein, der ältere Bruder Ottos des IV., zahlte diese im Jahre 1220. Damit wurde die Reichsfeste Harliburg nun welfisch. Bis 1279 war sie im Besitze des Herzogs Albrecht und ging an dessen Sohn Heinrich über. Er trug den Beinamen „der Wunderliche". Sehr auf Kämpfe aus schnitt er die Heer- und Handelsstraßen von Goslar ab und bedrohte die Städte Hildesheim, Braunschweig, Goslar, Magdeburg u. a. Ein Heer, zusammengesetzt aus den Bürgern dieser Städte aus den hier ansässigen Adligen und Fürsten unter Führung des Bischofs von Hildesheim, zog gegen die Burg . Die Harliburg wurde am 16. August 1291 nach viermonatiger Belagerung eingenommen. Die Wut und die Verachtung der Angreifer waren so groß, daß alle Aufbauten dem Erdboden gleichgemacht wurden.
Sie hat nur 88 Jahre bestanden.
Übrig blieben die Wälle und Gräben, die noch heute als Reste einer Reichsfeste gut unter hohen Buchen auszumachen sind.
Nach Hans Adolf Schultz: “Burgen und Schlösser im Braunschweiger Land”
Harliburg