Durch dieses Tor musste er kommen

Archäologische Arbeitsgemeinschaft findet auf Burg Lichtenberg Spuren aus der Zeit Heinrichs des Löwen

Von Karla Götz

LICHTENBERG. Jeden Sonntag sind sie dabei, Reste der Burgruine Lichtenberg auszugraben. Für die zehn Männer und Frauen, die in der Archäologischen Arbeitsgemeinschaft Salzgitter die Spitzhacken schwingen, ist manches Routine. Was Vorsitzender Andreas Wolff jetzt der Öffentlichkeit vorstellte, das nannte jedoch selbst der besonnene Mann „eine Sensation".

Mehr durch einen Zufall, wie das in der Archäologie häufig der Fall ist, hatte die Gruppe an der Ringmauer bis in die Tiefe des Fundaments hinein gegraben und für das 14. Jahrhundert untypische mächtige Kalksteinquader entdeckt. Auch pfeilerartige Steine, eine Estrichplatte und irdene Scherben machten sie stutzig. „Das ist älter als alles, was wir bisher gefunden haben", war einhellige Meinung.

Reste von Kugeltöpfen

“Man muss wissen, dass wir zeitlich nie bis zu Heinrich dem Löwen vorgedrungen sind", sagte Vorsitzender Wolff. „Was wir ausgruben, datierte aus dem 14. und 15. Jahrhundert." Diesmal war es anders, und Bezirksarchäologe Dr. Michael Geschwinde machte seinem Namen alle Ehre - er war sofort da. Die groben grauen und gelben Scherben entpuppten sich als Reste von Kugeltöpfen aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts. Da lebte Heinrich der Löwe. In den andersartigen Steinen in der Tiefe der Ringmauer sah der wissenschaftliche Grabungsleiter ein Tor. Ein zweiter Pfeiler wurde kurz darauf entdeckt.

Wolff_800pxSollte Heinrich der Löwe jemals hier gewesen sein, dann ist er durch dieses Tor gekommen", sagte Wolff bei der Präsentation mit feierlicher Stimme. Was bliebe, seien Fragen. Wie hat der alte Zugang zur Oberburg tatsächlich ausgesehen? Wo verlief der Weg hinauf zum Tor? Gab es zwei Eingänge, oder wann wurde der bislang bekannte 12 Meter weiter östlich geschaffen?

Mit Sinn für eine gute Dramaturgie hatte Wolff vor der eigentlichen Sensation einen weiteren ungewöhnlichen Fund vorgestellt. Bei Ausgrabungen im Wirtschaftsraum der Burg sei diesmal ein Kleinbagger im Einsatz gewesen, um rascher voran zu kommen. 90 Kubikmeter hatten die Archäologen zuvor mit dem Pickel freigelegt.

 

Kamin oder Feuerstelle?

Wie im Während der Fußboden jedoch sonst aus dem Muschelkalk herausgehauen wurde, war eine Ecke mit ungleichmäßig großen Steinen regelrecht gepflastert. Feuerstelle, Kamin? Es sind die offenen Fragen, die bei diesem Hobby für Spannung sorgen.
 

Die neuen Funde

Die Burg Lichtenberg datiert aus der Zeit Heinrichs des Löwen, der von 1129 bis 1195 lebte.

Bislang fand die Archäologische Arbeitsgemeinschaft Salzgitter Spuren aus dem 14. und 15. Jahrhundert. Die neuen Funde reichen bis in die Zeit des Welfenherzogs zurück:

Foto: Karla Götz.