Münzfunde auf der Burg Lichtenberg

von Holger Dussberg

Eine Burg war aufgrund ihrer militärischen Funktion stets darauf bedacht, eine autonome Wirtschaftseinheit bilden zu können, d. h. alle zur Zweckerfüllung notwendigen Dinge wurden in ihrem engen Umfeld produziert oder gehandelt. Solange der Burgherr notwendige Erträge, die von seinen abgabepflichtigen Hintersassen aus Lehen und Pachtverträgen resultierend in Naturalien entrichtet wurden, noch decken konnte, war dieser wirtschaftlich notwendige Ablauf gewissermaßen noch recht unproblematisch.
Erst die Dinge - zumeist Artikel des höfischen, persönlichen anspruchsvollen Eigenbedarfes -, die der Burgherr von fahrenden Händlern auf Märkten kaufen musste, bedurften einer fiskalischen Wirtschaftsform. Geld war aber knapp! Folglich mussten Abgabenpflichtige ihre Leistungen in „harter Währung" entrichten.
Grundherren und Städte prägten ihre eigenen Münzen, die in ihrem Wirtschaftsbereich einen entsprechenden Gegenwert in Form des reinen Metallwertes (Silber oder Gold) besaßen.
Wer in fremden Gebieten etwas kaufen wollte, der musste die dort jeweils gültigen Münzen verwenden und sein Geld entsprechend wechseln. Da sich der Gewichtsanteil der Edelmetalle in der Münze häufig änderte und die Kurse „konjunkturbedingt" schwankten, wurde so mancher Handeltreibende von „geschäftstüchtigen" Wechslern über das Ohr gehauen.
Obwohl im regnum Teutonicum im wesentlichen nur der silberne Pfennig geprägt wurde, unterschied er sich an Größe, Form, Machart und Gewicht zum Teil erheblich.
Als sogenannte Leitwährung kann man den Kölner Pfennig oder Denar ansehen. Er genoss mit seinem Nominalgewicht von 1,461 Gramm Silber den besten Ruf. Alle übrigen Pfennigsorten ordneten sich in bestimmten Verhältnissen unter. Nach welchen Regeln sich diese Ordnung aufbaute, ist uns leider nicht bekannt.
Heute beschränkt sich der Wert der einstigen Zahlungsmittel nur noch auf die dokumentarische Bedeutung als Quelle der Geschichtswissenschaft und Kunstgeschichte des Mittelalters.
Auf der Burg Lichtenberg, die einst auch als Münzstätte diente, wurden in den letzten Jahren fünf mittelalterliche und neuzeitliche Münzen ausgegraben.

Brakteat Heinrich des Löwe 

 Brakteat Herkunft unbekannt

 Kreuzgroschen, Vorder-

und Rückseite

Fotos: Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege [NLD], Aufnahme C.S. Fuchs


Von den hier vorgestellten Münzen sind zwei Brakteaten (aus dünnem Silberblech geprägte einseitige Pfennige) in das 12. (?) und 13. Jahrhundert zu datieren.





Die dritte Münze ist als sogenannter Kreuzgroschen anzusprechen und wurde im Jahr 1539 (Münzstempel) geprägt. Die Umschrift weist Herzog Erich von Braunschweig Calenberg (1491 - 1540) als Münzherren aus


Leider genoss dieser Münzherr den etwas zweifelhaften Ruf eines Kippers oder Wippers, d. h. um ein bestimmtes Gewicht zu erzielen, ersetzte er den eigentlichen fehlenden Silbergehalt einfach durch Kupfer. Der so erzielte Gewinn war sicherlich beträchtlich.