Burgen-Alltag
von Holger Dussberg

Durch die Verherrlichung von Burgen- und Ritterthemen, die an vergangene Heldenzeiten erinnern sollten, prägte die Romantik ein teilweise heute noch bestehendes, idealisiertes Bild vom Burgleben. Wie es aber wirklich aussah, geht aus einem Brief des in seiner Gelehrtentätigkeit beeinträchtigten Humanisten Ulrichs von Hutten (1488 – 1523) Ullrich von Huttenhervor, den er an seinen Freund in Nürnberg Willebald Pirkheimer schrieb. Hutten beschreibt darin das Leben auf seiner väterlichen Burg Steckelberg: ”von engen Mauern umschlossen, eingeengt durch Viehställe, Waffenschuppen, Pulverkammern und Geschützständen; alles voller Pech, Schwefel und Kriegsgerät. Überall im Hause riecht es nach Pulver, Vieh und Hunden und deren Exkrementen. Ein fortwährendes Kommen und Gehen von Bewaffneten, oft der zweifelhaftesten Sorte, von Bauern, die bei ihrem Herrn Hilfe suchen oder zur Arbeit auf den kümmerlichen Äckern am Burgberg bestellt sind, den ganzen Tag über Lärm und Geschrei. Schafe blöken, Rinder brüllen, Hunde bellen, und es ist nichts seltenes, daß man des nachts in den benachbarten Wäldern die Wölfe heulen hört."

An einer anderen Stelle des Briefes wird die große Unsicherheit jener Zeit beschrieben. Demnach konnte sich ein mit der Burghut (purchuta) beauftragter Edelmann nur in Waffen und Rüstung außerhalb seiner Burg bewegen, denn die Feinde seines Landesherren waren ja auch seine eigenen. Da nutzte es wenig, daß der Edelmann unter dem Schutz seines Landesherren stand. Sicherheit war also oberstes Gebot. So gab es genaue Regeln, wann und vor allem bei welcher Sichtweit (z.B. Nebel) der Torwächter das Tor geöffnet werden durfte. Hornrufe des Türmers kündigten das Öffnen und Schließen an.

Während die Burgbesatzung, die in Friedenszeiten je nach Burggröße zwischen 3 und 20 Mann betrug, konnte sie in Kriegszeiten leicht um das siebenfache erhöht werden.

Für die Instandhaltung einer Burg und deren Gebäude, die Überprüfung und Einlagerung der Vorräte, die Herstellung der Waren des täglichen Bedarfs wurden neben der einfachen, abhängigen Bevölkerung, ebenfalls die Burgbesatzung herangezogen. Auch Burgherr betätigte sich im hohen Mittelalter als Landwirt und Viehzüchter. Die Burg war so eine autarke Wirtschaftseinheit.

Der Edelherr, sofern er nicht mit den o.a. Arbeiten oder Kriegsvorbereitungen beschäftigt war, vertrieb sich die Zeit mit der Jagd auf Nieder- und Hochwild, wobei letztes nur dem Hochadel vorbehalten blieb. Waffenpflege-/übungen und die Perfektionierung der Reitkunst füllten den Tagesablauf.

Abends unterhielt man sich mit allerei Kurzweil: Brettspiele (z.B. Tric-Trac), “Blinde Kuh” oder “Haschmich” , Instumentalmusik, Gesang (solo oder gemeinsam).

Die Eintönigkeit wurde lediglich durch Händler, die Waren, die nicht selbst hergestellt werden konnten, feil boten, oder fahrenden Sängern unterbrochen.